WAZ – 17.11.2011

Dieser Artikel erschien in der WAZ vom 17.11.2011. Den Artikel könnt ihr auf der folgenden Seite im Original lesen:
WAZ

Da Artikel im Netz die Angewohnheit haben, nach einer Zeit im Nirvana zu verschwinden, haben wir ihn hier zum Nachlesen abgedruckt:

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Der passionierte Motorrad-Mechaniker Roman Kolodziej übernahm die Gaststätte „Rohmann“ mitsamt dem umliegenden Grundstück und machte daraus das „Hotbike“. Für ihn zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die Beleuchtung ist schummerig, kalter Qualm liegt in der Luft, und die massive, dunkelbraune Holztheke lädt ein zum Feierabend-Bier – für diese urige Gemütlichkeit war die Gaststätte Rohmann an der Oberhausener Straße jahrzehntelang bekannt und beliebt. Seit Roman Kolodziej das Lokal mitsamt umliegendem Grundstück im letzten Jahr übernahm und daraus das „Hotbike“ machte, hat sich daran wenig geändert. Dennoch hat der gelernte Kfz-Mechaniker dem verstaubten Schätzchen neues Leben eingehaucht.

Es scheint, dass gerade dieses „aus Alt mach Neu, aber vergiss nie die Wurzeln“- Prinzip Kolodziejs Spezialgebiet ist: Leidenschaftlich restauriert und repariert er alte Motorräder. Seine Werkstatt ist in der Szene wohlbekannt. Bis Mitte letzten Jahres war diese in Duisburg-Ruhrort beheimatet: „Die Räume waren jedoch nur gemietet. Ich wollte einfach eine eigene Werkstatt und bin im Internet nach etwa einem Jahr Suche auf dieses Angebot gestoßen“, erinnert sich Kolodziej. Gute 6000 Quadratmeter Grundstück, genügend Platz für eine Werkstatt, dazu noch Wohnräume und, nun ja, eine Kneipe eben. Und plötzlich war da dieser zweite Job.

Jetzt ist Roman Kolodziej Motorrad-Doktor und Gastronom – und ziemlich zufrieden: „Das Lokal als zweites Standbein ermöglicht es mir, mich auf das zu konzentrieren, was einfach meine Welt ist: Oldschool-Motorräder.“ Die faszinieren ihn schon seit seiner Jugend. Mit 16 Jahren hatte er stolze 18 Punkte in Flensburg, weil er Tag und Nacht alte Mofas frisierte und dann auch ausprobierte. „Die Motorräder von heute sind mir zu sehr wie Autos. Zu viel Computer, zu viel Elektronik“, winkt Kolodziej ab. „Was mich interessiert, ist dieses Mechanische, einfach etwas zum Schrauben, wo man keine Computertasten bedienen muss.“

Obwohl er sich auf Zweiräder spezialisiert hat, möchte Kolodziej aber auch Technik-Verrückte aus anderen Bereichen ansprechen: „Es wäre schön, wenn sich auf Dauer hier eine richtige Schrauber- und Oldtimer-Szene entwickeln würde. Dabei ist es egal, ob man sich nun für alte amerikanische Autos, Traktoren oder Motorräder interessiert. Die alte Technik bringt die Leute zusammen.“ Dadurch unterscheidet sich das „Hotbike“ von anderen Bikertreffs wie dem an der Grafenmühle. Und den Stammgästen wie Horst Swoboda gefällt’s: „Grafenmühle, da war ich früher oft mit meinen Maschinen. Aber der Rummel dort ist mir einfach zu viel. Hierher komme ich viel lieber.“ Außerdem seien die Menschen im „Hotbike“ einfach gut drauf und unkompliziert: „Das sind Leute aus den unterschiedlichsten Schichten, vom Akademiker bis zum Handwerker“, weiß Swoboda. Es wird gefachsimpelt, aber nicht nur. Meist gehe es um „Benzin, Frauen und Zipperlein“, meint Swoboda. Dabei könne doch eigentlich jeder mitreden.

„Nicht nur Biker, sondern auch Spaziergänger, Fahrradfahrer und Neugierige fühlen sich hier wohl“, erklärt der Besitzer – vor allem im riesigen, fast romantisch anmutenden Biergarten, der im Sommer auch ruhigere Zonen zu bieten hat. Vielleicht ist Biergarten auch ein Art symbolischer Beweis dafür, dass unter jeder Bikerkluft ein weicher Kern steckt? Roman Kolodziej zumindest gibt gern zu, dass er an das Schicksal glaubt.

Dass der alte Name „Rohmann“, unter dem die Kneipe jahrzehntelang erfolgreich lief, genauso klingt wie sein Vorname, ist für ihn jedenfalls kein Zufall.

Christina Banner“

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